Pädagogische Fachkräfte? Kein Problem!

Seit Monaten, Jahren, ja Dekaden ist der Mangel an pädagogischen Fachkräften stetig ein Thema. Man könnte fast meinen, es gäbe einen ganzen Teil der Bevölkerung, der minderjährig und auf angemessene Betreuung angewiesen ist. Ich selbst studiere Pädagogik im Hauptfachumfang im Erweiterungsfach, da mich mein Lehramtsstudium noch nicht genug ausgelastet hat. Dennoch würde ich mich niemals für pädagogische
Tätigkeiten mit Kindern unter zehn Jahren befähigt fühlen, schon allein deswegen, weil ich nicht basteln und nicht malen kann.

In unserem Dorfkindergarten wurde ich da auch nicht optimal unterstützt. Allein schon die Tatsache, dass ich immer angehalten wurde, meine Wasserfarben kaum mit Farbe sondern fast ausschließlich mit Wasser zusammenzurühren, zeigt schon die Begrenzung meiner künstlerischen Freiheit aufgrund ökonomischer Knappheiten, die ich als Insasse dieses Kindergartens nicht beeinflussen konnte. Auf foucaultsche Vergleiche verzichte ich hier, aber Sie wissen, was ich meine.

Nun kommt noch dazu, dass neben allgemein schlechten Arbeitsbedingungen und Gefängnisvergleichen das Berufsfeld auch grundsätzlich anstrengend ist. Jede Arbeit mit Kindern ist auf die Stufe der Arbeit mit Kundinnen zu setzen: Sie motzen, wissen alles besser, und machen nie das, was man ihnen sagt. Wenigstens bekommt man von Kundinnen Geld. Die Kinder aber beschweren sich noch, dass sie nicht mit dem Bobbycar den Österberg runterrasen dürfen. Hier zeigt sich ein weiteres Problemfeld, die Verantwortung: Wenn ein Kind mit eben diesem Bobbycar gegen die Wand fährt, bekommen Sie womöglich ein Problem. Fährt ein alkoholisierter Kunde in Ihre Schaufensterfläche, regelt das die Versicherung.

Nach unserem Vergleich zwischen Kindern und Kundinnen zeigt sich die Lösung auf: Wir müssen KiTas einfach in Verkaufsflächen, Restaurants und Unternehmensberatungen verwandeln. Früher oder später verfallen Kinder wie jedes Individuum dem Konsumzwang und der Wandel zu Kundinnen kann nicht früh genug erfolgen. Einen Kaufladen und eine Kinderküche hat doch bestimmt jede KiTa und Kindergarten, eine praktischere Lösung fällt
uns nicht ein.

Samantha Hilsdorf
Die FRAKTION – PARTEI, DiB, Huhn

Rede Straßenbenennung

Eine Straßenbenennung ist eine explizite Ehre für eine Person. So ist es bei der Benennung gedacht und es bleibt bis heute eine ausdrückliche Ehrerweisung, die nur sehr wenigen Personen zuteilwird. Damals wie heute.

Vor 3 Jahren hat unsere Fraktion den Antrag gestellt, zu prüfen, ob die folgenden drei Personen würdig sind, in Tübingen mit Straßennamen geehrt zu werden: Eduard Haber, Eduard Spranger, Wilhelm Schussen. 3 Jahre später liegen uns nun die Ergebnisse dieser Prüfung vor. Unsere Vermutung hat sich leider bestätigt, dass sie es nicht sind.

Ich plädiere daher für die rasche Umsetzung von Umbenennung aller Straßennamen, die Menschen ehren, die großes Leid angetan haben, mitverursacht oder unterstützt/gutgeheißen haben.

Es geht um Gefühle und Existenz der Menschen in Tübingen, die noch heute unter den Folgen von Rassismus, der Kolonialisierung und des Nationalsozialismus leiden, es geht um das klare Zeichen, dass Tübingen eben keinen „kolonialen Willen“ hat und dass Tübingen keine Rassist*innen/Antisemitin*innen/Kolonialist*innen ehrt. Der bürokratische Aufwand für die Anwohner*innen ist da ein überschaubarer Preis. Es sollte außerdem im Interesse aller Anwohner*innen der Straße sein, endlich nicht mehr den Namen eines kolonialen Nazis auf ihrem Adressbogen zu haben und Tübingen sollte froh sein, ein*e Verbrecher*in weniger zu ehren.

Der Integrationsrat beziehungsweise Personen, die noch heute unter den Folgen von Rassismus, der Kolonialisierung und des Nationalsozialismus leiden, sollen eine großere Stimme in diesem Prozess erhalten und zu jeder Straßenbenennung und Umbenennung stärker miteinbezogen werden.

Durch die Umbenennung der Straße zu Ehren von Opfer von rassistischemotivierte Mord (wir im Fall von Kiomars Javadi Mord) oder Wiederstandkämpfer*innen gegen dessen Ideologien bei gleichzeitiger Aberkennung dieser gegenüber, zum Beispiel einem Befürworter des Nationalsozialismus, setzt Tübingen ein klares Zeichen gegen rassistisch motivierte Gewalt. Außerdem geht Tübingen dadurch einen weiteren Schritt in die Richtung, gesellschaftliche Ehrungen nicht mehr den Täter*innen, Mitläufer*innen und passiven Unterstützer*innen, sondern den Opfern und Widerstandskämpfer*innen des Nationalsozialismus zukommen zu lassen, ohne die Geschichte zu vergessen. Warum sollten Nazis auf der Höhe geehrt werden, während Jüdinnen:Jüden nur auf dem Boden erinnert werden. Die alten Namen sollen meiner Meinung nach da bleiben, durchgestrichen und mit einer Erklärung warum sie durchgestrichen wurden, sodass alle daran lernen können.

Wir denken nicht, dass alle Straßen mit Namen von Personen mit einem Bezug zu Tübingen benannt werden sollen. Das war noch nie so und wir sehen keinen guten Grund dafür, warum dies eingeführt werden soll. Das heißt natürlich auch nicht, dass keine Straßen nach Personen mit lokalen Bezug benannt werden sollen, dies soll natürlich gemacht werden.

Eigentlich sind alle diese Ideen im Antrag alt und selbstverständlich. Antirassismus und Antifaschismus ist etwas, dem wir uns alle verpflichtet fühlen sollten. Die eigenen Position in bestehenden Machtverhältnissen bewusst zu sein, diese kritisch zu hinterfragen und sich letztendlich dafür zu entscheiden, die Privilegien so zu nutzen, dass sie auch anderen zugutekommen. Sowie viele Menschen außerhalb dieses Gemeinderat haben das verstanden und ich freue mich auf jede weitere Person im Saal, die das auch verstehen und heute in der Abstimmung umsetzen wird.

Antrag:

„Tötungsdelikt im Alten Botanischen Garten und Reaktion des Oberbürgermeisters“

  • Erstmals: mein Beileid gilt Basiru Jallow und seine Angehörigen, rest in power and peace, niemand hat das Recht, das Leben eines anderen zu nehmen. Es ist schrecklich, das was passiert ist und es tut mir als Gemeinderätin leid, dass wir nicht dafür gesorgt haben, dass Gewalttaten dieser Art verhindert werden. Der Tod eines schwarzen Menschen ist genauso tragisch wie der Tod einer weißen Person, das sollte selbstverständlich sein, ist es aber leider NOCH nicht. Black lives matter.

Jetzt zu Palmer:

  • Wieder einmal müssen wir hier alle das Verhalten des Tübinger Oberbürgermeisters aufs Schärfste verurteilen. Sein Facebookpost ist rassistisch, diskriminierend, polemisch, voller Vorurteile und zutiefst entwürdigend.
  • Wieder spielt er Sheriff: Noch bevor überhaupt ermittelt ist, wie es zu diesem Verbrechen kommen konnte und wer noch daran beteiligt war, scheint Herr Palmer genau zu wissen, wer hier als Schuldiger nur in Frage kommen kann und nimmt gleich eine ganze Gruppe, nämlich geflüchtete Menschen, die bei uns Schutz suchen, in Sippenhaft. Das Opfer wird bei ihm zum Täter!
  • Er nutzt alles, sogar den Gewaltsamen Tod eines Mitbürger für seine Agenda. Um geflüchtete Menschen gleichzusetzen mit Verbrecher*innen. Um unsere Gesellschaft zu spalten. Um gegen schwarze Personen zu hetzen. Um für weitere rassistische Diskriminierung und Angriffe in Tübingen und sonst wo, wo seine Worte ankommen, eine Begründung zu geben.  Seine Worte haben leider eine Wirkung.
  • Es ist beschämend, einen solchen Bürgermeister zu haben. Es ist auch wirklich entsetzlich, dass ihn so viele Leute gewählt haben, obwohl diese “Vorfälle” nichts Neues sind. Es ist beängstigend, als Migrantin mitten in einer Stadtgesellschaft zu leben, die so ein Bürgermeister wählt.
  • Es ist elementarer Bestandteil der Arbeit und die Pflicht eines Oberbürgermeister*ins, die Vertreter*in aller hier lebenden Menschen zu sein. Menschen zusammenzuführen und zu vermitteln. Menschen, die Probleme zu nehmen, statt ihnen welche zu bereichen. 
  • gleichzeitig wäre es in seiner Verantwortung, den Park vor Tötungsdelikten zu schützen. Herr Palmer hat es versäumt, rechtzeitig zusammen mit seinem Ordnungsamt und der Polizei zu überlegen, wie man den Park sicherer machen kann, um Gewalt zu verhindern.
  • Seine Lösung ist eine extrem abstruse Lösung, die komplett zusammenhanglos zu dem Problem ist, außerdem komplett fern von normalen Maßnahmen, die überall auf der Welt ergriffen werden um Gewalt in einem 250 Quadratmeter Park zu verhindern. Er fordert, dass “kriminelle” geflüchtete Personen in Lagern außerhalb der Städte (dauerhaft) untergebracht werden. Der Täter war keine geflüchtete Person! Er möchte geflüchtete Menschen vor Ermordung schützen in dem er sie in Camps einsperrt und abschiebt?! Das ist seine Lösung FÜR ALLES, es ist eine Forderung, die gegen jegliche Menschenrechte verstößt: dass diese Menschen wie schwere Straftäter*innen behandelt werden, obwohl er genau weiß, dass alle Menschen in einem Rechtsstaat vor dem Gesetz gleich behandelt werden sollen. Die Lösung gegen Kriminalität und Gewalt in Parks war niemals Abschiebung! Überall auf der Welt reichen kleine regelmäßige Patrouillen, was denkt er, was Tübingen ist? Madmax?!
  • Wir könnten glauben, dass ihn “nur” die Frage beschäftigt, wie wir das in Zukunft verhindern können, dass er doch nicht rassistisch handeln wollte… Aber Palmer hat sich schon häufig in der Vergangenheit rassistisch, vor allem gegenüber schwarzen Mitbürgern, geäußert. In seinen Worten sage ich jetzt: „Eins plus eins gibt zwei. Da muss man nicht viel mehr überlegen. Bisher waren diese Schlussfolgerungen immer richtig. Das wird aber nicht gern gesehen, weil man dann zugeben müsste, dass das Muster existiert.“ Das Muster ist Herr Palmer hat ein Problem mit Rassismus.
  • Außerdem,  es ist gerade die „Woche gegen Rassismus“ in Tübingen (organisiert von der Stadtverwaltung) und Herr Palmer mit so einer Tat komplett der Zynismus einer solcher Veranstaltung, die von ihm/seiner Abteilung organisiert wurde, beweist. Er macht die Arbeit aller Menschen in der Stadtverwaltung, die sich für Antirassismus einsetzen, zu nichten.

Schulessen

  • Tierische Produkte (Fleisch/Fisch, Milch, Eier, etc) in allen städtischen Mensas inklusive Schulen und bei der Verpflegung von Mitarbeiter*innen/Ehrenamtliche der Stadt sollen ausschließlich Bioqualität aufweisen oder von Haltungstufe 4 stammen
  • Tierische Muskel und Organe (Fleisch/Fisch) sollen ausschließlich in unverarbeiteter Qualität angeboten werden statt auf stark verarbeitete Weise (mit verarbeitetem Fleisch ist solches gemeint, das zum Beispiel durch Salzen, Fermentieren, Räuchern oder Pökeln haltbar gemacht wird, wie Salami, Schinken oder Würstchen)
  • Die Gerichte sollen, so wie unsere Stadt, ein breites Publikum ansprechen und sollen daher die weltweite Küche widerspiegeln (Gewürze und Zubereitungsart/Zutatenmischungen)

Begründung

Laut der Vorlage 93/2022 soll der Anteil von Fleisch in schulischen Mensen erhöht werden, mit der Hoffnung, dass die Zufriedenheit der Schüler*innen mit dem Mensaessen erhöht wird. Nach der Ausschreibung der Stadt werden die toten Tiere/bzw deren Körperteile gerade nicht zwingend aus biologischen Betrieben bzw. von Betrieben mit Haltungsstufe 4 (Quelle 1) angeboten (obwohl dies nach unserem Änderungsantrag Bestandteil des Klimaschutzpaketes der Stadt Tübingen ist). Unser Antrag, ausschließlich vegetarisches Essen anzubieten wurde leider vor einem Jahr vom Gemeinderat Tübingen mit großer Mehrheit abgelehnt. Daher beantragen wir, dass zumindest das angebotene Fleisch und tierischen Produkte ausschließlich Bioqualität aufweisen oder aus Haltungstufe 4 stammen. Das Essen schmeckt dann trotzdem nach Tierleid und Klimawandel, aber mit einem leicht besseren Gewissen.

Da stark verarbeitete Fleischprodukte nachweislich krebserregend sind, sollen diese ebenfalls untersagt werden. Mit verarbeitetem Fleisch ist solches gemeint, das zum Beispiel durch Salzen, Fermentieren, Räuchern oder Pökeln haltbar gemacht wird, wie Salami, Schinken oder Würstchen.

Um die Akzeptanz des Essens in den Mensen zu erhöhen, soll nicht ausschließlich deutsches Essen angeboten werden, sondern auf die weltweite Cuisine zugegriffen werden.

Quellen:
1. Haltungsform 4 bietet den Tieren einen tatsächlichen Auslauf im Freien und außerdem den meisten Platz im Stall (Beispiel Schwein: + 100 Prozent) – nur für die Pekingenten gibt es in allen 4 Haltungsformen dieselben Vorgaben zum Platzangebot im Stall. Das Futter ist auch in dieser Haltungsform ohne Gentechnik. In diese Stufe ist Biofleisch einzuordnen. Aber auch konventionell erzeugtes Fleisch findet sich hier, wenn die Tierhaltung die beschriebenen Anforderungen erfüllt.

Antrag: 10% übertarifliche Bezahlung für pädagogische Fachkräfte

Antrag: 10% übertarifliche Bezahlung für pädagogische Fachkräfte

Aufgrund der dramatischen Unterbesetzung und der hohen Arbeitsbelastung in den Kitas und Kindergärten der Stadt Tübingen sollen pädagogische Fachkräfte in Tübingen eine dauerhafte übertarifliche Bezahlung von 10 % erhalten.

Begründung:

Die Arbeit von pädagogischen Fachkräften ist von größter Bedeutung für die Entwicklung und Bildung von Kindern. Sie sind verantwortlich dafür, dass Kinder die bestmögliche Förderung und Unterstützung erhalten und sich zu gesellschaftlich verantwortungsvollen Erwachsenen entwickeln können.

Die Beanspruchung von Care Arbeit und pädagogischer Betreuung weg von der alleinigen Verantwortung der Erziehungsberechtigten führt zu mehr Geschlechtergerechtigkeit, da es sonst hauptsächlich Mütter sind, die ihre Arbeit, Selbstversorgung, Verwirklichung und Emanzipation opfern, um diese Arbeit zu leisten.

Leider ist es in der Praxis jedoch so, dass die Bezahlung von Care Workerinnen (Sorgearbeiterinnen), unter denen pädagogische Fachkräfte, selbst nach Tarif niedrig ist und somit der Stellenwert, die Wertschätzung und die Knappheit dieser Berufsgruppe in der Gesellschaft nicht widergespiegelt wird.

Eine übertarifliche Bezahlung von pädagogischen Fachkräften würde nicht nur dazu beitragen, diesen Beruf attraktiver zu machen, sondern auch dazu, dass qualifizierte Menschen für diesen Beruf gewonnen werden können.

Außerdem trägt dieser Antrag zur Gendergerechtigkeit, da nicht nur im privaten sondern auch bei der professionellen Sorgearbeit es ein Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern gibt: ob als Sozialpädagogin, Haushaltshilfe, Krankenpflegerin oder Erzieherin – meistens sind es Frauen,
die in Sorgeberufen tätig sind. In diesen Berufen wird gesellschaftlich wertvolle Arbeit geleistet, die Vergütung ist hingegen oft schlecht.

Rede: Gemeinderat 06.02.2023

Es wurde wahrscheinlich schon so ziemlich alles Wichtige gesagt, deswegen beschränke ich mich auf unsere individuellen Perspektiven. Als jüngstes Gemeinderatsmitglied stehe ich zeitlich noch am nächsten an meiner eigenen Kindheit. Und immer noch am nächsten an meiner eigenen Berufsentscheidung.

Ich selbst wollte früher immer Erzieherin werden und habe mich größtenteils aus finanziellen Gründen für andere Berufe im pädagogischen Bereich entschieden. Aber auch weil ich nie so schön basteln könnte wie die netten Kinder, die heute nicht zum ersten Mal für ihre Wünsche vor dem Rathaus protestiert haben und uns diese hübschen Papierblumen geschenkt haben. Und sollten sich die finanziellen Bedingungen verbessern, wird diese Berufsoption für mich umso attraktiver. Dann muss ich halt basteln lernen. Unser Antrag zur übertariflichen Bezahlung pädagogischer Fachkräfte knüpft an eben dieser Stelle an. Wir können uns gut vorstellen, dass das ein möglicher Ansatz sein könnte, den Beruf und auch den Arbeitsort Tübingen attraktiver zu gestalten. 10% mehr Bezahlung würden auf jeden Fall schon dazu führen, dass ich einen Quereinstieg in Betracht ziehen würde.

All die in den letzten Wochen gefundenen Lösungen und Anreize scheinen uns gelungen, eine längerfristige Lösung zu finden. Leider ist das Problem akut und wird nicht so schnell verschwinden. Wir sehen die Schwere der Situation und dass sowohl ein Ja als auch ein Nein in diesem Punkt zu keinem zufriedenstellenden Ende führt. Es ist verständlich, dass die Verkürzung zu mehr Verlässlichkeit führen kann, wenngleich das zwangsweise mit sich bringt, dass es weniger Betreuungszeit gibt. Besonders belastend ist das für die Frauen, an denen wieder die Mehrheit der Care Arbeit hängen bleibt und die somit beruflich benachteiligt werden. Insofern stehen wir hier an einer Weiche, die den zukünftigen Weg des unterbesetzten Zuges kaum ändert. Diese Weichenschaltung sehen wir in der Fraktion alle minimal anders, weswegen wir heute alle unterschiedlich abstimmen werden. Wir wünschen uns sehr, dass der künftige Weg des Zuges in schönere Landschaften führt und hoffen, dass all die Maßnahmen, die über die letzten Wochen hinweg gefunden und nun in Kraft gesetzt werden können, das anfeuern können. Der wohl größte Verdienst, der diesen Zug in Bewegung setzt gebührt wohl den Eltern, ohne die dieses Thema niemals so große Wellen geschlagen und so viel Aufmerksamkeit erreicht hätte. Dankeschön.

Geschlechtsneutrale Beschilderung der Toiletten

Antrag:

Die Verwaltung ändert die Beschilderung der Toiletten im ersten OG des Rathaus (derzeit männlich/weiblich-Piktogramme) in eine geschlechtsneutrale Beschilderung. 

Begründung:

Am Montag den 25.10.21 konnte man die Beschilderung der Toiletten überklebt finden. Statt des klassischen Weiblich/Männlich-Piktogramms war eine Abbildung der in den jeweiligen Räumlichkeiten vorhanden Toilettenformen und ein Spruch “All Genders Welcome” (siehe Anhang). 

Diese Aktion gefiel uns sehr gut und wir würden diese kleine Änderung gerne permanent sehen. Wir sind der Ansicht, dass Menschen sich nicht einem binären Geschlecht zuordnen müssen sollten und dass es Freiheit geben sollte, die Toilette aufzusuchen, die gewünscht ist. Angesichts der erst kürzlich verstrichenen Queeren Woche ist es in unseren Augen angebracht, mehr Sichtbarkeit für Menschen außerhalb des binären Geschlechtermodells herzustellen. Die Schilder stellen eine sehr kostengünstige, subtile und gleichzeitig präsente Möglichkeit hierzu dar.

OB Wahl in Tübingen

Trigger Warnung: Rassismus und Queerfeindlichkeit.

Ich bin enttäuscht, dass so viele Menschen Palmer als OB von Tübingen wiedergewählt haben.

Eigentlich ist mir klar, dass eine große Gruppe der Einwohner*innen dieser Stadt per Gesetz nicht wählen dürfen und ihn daher folgerichtig die Mehrheit der Menschen in Tübingen auch nicht gewählt haben. Aber 52% der Menschen, die wählen durften und dies auch getan haben, haben gezeigt, dass sie entweder nicht mitgekriegt haben, es ihnen egal oder sogar ganz recht ist, was Palmer gegen bereits benachteiligte Gruppen von Menschen, insbesondere diejenigen, die nicht wählen dürfen, sagt und macht.

Für die, die es bisher nicht wussten: Palmer hat mehrmals rassistische und queer feindlichen Äußerungen von sich gegeben. Mit seiner Politik stellt er diese eindeutig menschenfeindlichen Ideologien immer wieder unter Beweis. Zum Beispiel durch das Beschleunigen von Abschiebungen, racial profiling im Botanischen Garten, die “Liste der Auffälligen” oder die Beschneidung der Rechte von Personen, die in der Geflüchtetenunterkunft in der Europastraße wohnen. Hier finden Sie eine Zusammenfassung einiger seiner Aussagen: https://bit.ly/3NJPBpE

Worte haben ernste Auswirkungen: regelmäßig brennen in Deutschland Unterkünfte für geflüchtete Personen (Ende Oktober 2 innerhalb von 10 Tage), regelmäßig werden Migrant*innen und migrantisch gelesene Personen von der Polizei und Neonazis in Deutschland verletzt, gequält oder gar ermordet. Auch queere Menschen werden regelmäßig angegriffen und ermordet, wie Malte C auf dem CSD in Münster dieses Jahr. Und auf die zahllosen Mikroagressionen wie Diskriminierung im Alltag, im Beruf, in der Bildung, bei der Wohnungssuche, gehe ich dabei nicht mal weiter ein, da der Platz in dieser Kolumne dafür nicht ausreicht. Aber Palmer bekommt durch das Wahlergebnis wieder einmal mehr als nur eine Bühne, er bekommt Macht.

Als Demokratin akzeptiere ich natürlich dieses Wahlergebnis, Palmer ist erneut der OB von Tübingen für die nächsten 8 Jahren. Aber als Demokratin darf ich enttäuscht sein und auch weiterhin eben diejenigen kritisieren, die so eine Person bewusst wiederwählen, sowie ich Palmer weiterhin dafür kritisieren werde, auf Kosten von den Lebensbedingungen und Leben der Mitmenschen Wahlstimmen und Bekanntheit für sich zu gewinnen.

Antrag: Erstellung eines Notfall-Wärmeplanes

Erstellung eines Notfall-Wärmeplanes

Die Stadtverwaltung wird um die Erstellung eines Planes für die schnelle Einrichtung eines oder mehrerer kommunaler Wärmeräume oder Wärmehallen für unterschiedliche Szenarien gebeten.

Die zu beachtenden Szenarien könnten sein: einzelne Bürger:innen können nicht mehr heizen, größere Mengen von Bürger:innen sind von der Wärmeversorgung abgeschnitten und das Eintreten größerer Stromausfälle.

Antragsbegründung:

Einige Städte, wie beispielsweise die Stadt Tuttlingen, haben Notfallpläne erstellt, um in verschiedenen Szenarien Wärmeräume bzw. Wärmehallen für bis zu 3.800 Bürger:innen einrichten zu können.

In eine SWR-Beitrag* hierzu heißt es: „Sobald einzelne Menschen frierend in der Wohnung sitzen, öffnet die Stadt erste Räume, um sich für mehrere Stunden aufzuwärmen. Dort gebe es auch heiße Getränke, heißt es. Sollten deutlich mehr Menschen über Kälte in den Wohnungen klagen, will die Stadt drei größere Hallen zur Verfügung stellen, …“.

Eine Versorgung der Notfalltreffpunkte mit Notstrom und Rettungsdienstmitarbeiter: innen könnte ebenfalls erwogen werden.

Der Einsatz von kommunalen Wärmeräumen oder Wärmehallen ist unserer Ansicht nach nicht erstrebenswert und kann hoffentlich durch andere, bundesweite, landesweite und kommunale Lösungen vermieden werden. Dennoch halten wir es für angemessen, sich auf mögliche kleinere und größere Unglücksfälle vorzubereiten.

*https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/tuebingen/tuttlingen-richtet-waermestuben-fuer-notfall-ein-100.html

Sachstandbericht: Jugendcafé Bricks*

Sachstandbericht: Jugendcafé Bricks*

Die Stadtverwaltung wird gebeten, im passenden Ausschuss über den Stand der Planung der Erweiterung des Jugendcafés Bricks zu berichten.

Antragsbegründung:

Das Thema „Erweiterung Bricks“ wird in unterschiedlichen Foren immer wieder aufgebracht und es wäre hilfreich für die Gemeinderät:innen, Informationen über den Stand der Planung zu kennen.

Hinweis für den Oberbürgermeister: Dieser Antrag enthält keine Satire und kann ohne Bedenken bearbeitet werden.**

**Hinweis zum Hinweis für den Oberbürgermeister: Der Hinweis für den
Oberbürgermeister hat einen satirischen Charakter, der eigentliche Inhalt des Antrags allerdings nicht.