Pädagogische Fachkräfte? Kein Problem!

Seit Monaten, Jahren, ja Dekaden ist der Mangel an pädagogischen Fachkräften stetig ein Thema. Man könnte fast meinen, es gäbe einen ganzen Teil der Bevölkerung, der minderjährig und auf angemessene Betreuung angewiesen ist. Ich selbst studiere Pädagogik im Hauptfachumfang im Erweiterungsfach, da mich mein Lehramtsstudium noch nicht genug ausgelastet hat. Dennoch würde ich mich niemals für pädagogische
Tätigkeiten mit Kindern unter zehn Jahren befähigt fühlen, schon allein deswegen, weil ich nicht basteln und nicht malen kann.

In unserem Dorfkindergarten wurde ich da auch nicht optimal unterstützt. Allein schon die Tatsache, dass ich immer angehalten wurde, meine Wasserfarben kaum mit Farbe sondern fast ausschließlich mit Wasser zusammenzurühren, zeigt schon die Begrenzung meiner künstlerischen Freiheit aufgrund ökonomischer Knappheiten, die ich als Insasse dieses Kindergartens nicht beeinflussen konnte. Auf foucaultsche Vergleiche verzichte ich hier, aber Sie wissen, was ich meine.

Nun kommt noch dazu, dass neben allgemein schlechten Arbeitsbedingungen und Gefängnisvergleichen das Berufsfeld auch grundsätzlich anstrengend ist. Jede Arbeit mit Kindern ist auf die Stufe der Arbeit mit Kundinnen zu setzen: Sie motzen, wissen alles besser, und machen nie das, was man ihnen sagt. Wenigstens bekommt man von Kundinnen Geld. Die Kinder aber beschweren sich noch, dass sie nicht mit dem Bobbycar den Österberg runterrasen dürfen. Hier zeigt sich ein weiteres Problemfeld, die Verantwortung: Wenn ein Kind mit eben diesem Bobbycar gegen die Wand fährt, bekommen Sie womöglich ein Problem. Fährt ein alkoholisierter Kunde in Ihre Schaufensterfläche, regelt das die Versicherung.

Nach unserem Vergleich zwischen Kindern und Kundinnen zeigt sich die Lösung auf: Wir müssen KiTas einfach in Verkaufsflächen, Restaurants und Unternehmensberatungen verwandeln. Früher oder später verfallen Kinder wie jedes Individuum dem Konsumzwang und der Wandel zu Kundinnen kann nicht früh genug erfolgen. Einen Kaufladen und eine Kinderküche hat doch bestimmt jede KiTa und Kindergarten, eine praktischere Lösung fällt
uns nicht ein.

Samantha Hilsdorf
Die FRAKTION – PARTEI, DiB, Huhn

Rede: Gemeinderat 06.02.2023

Es wurde wahrscheinlich schon so ziemlich alles Wichtige gesagt, deswegen beschränke ich mich auf unsere individuellen Perspektiven. Als jüngstes Gemeinderatsmitglied stehe ich zeitlich noch am nächsten an meiner eigenen Kindheit. Und immer noch am nächsten an meiner eigenen Berufsentscheidung.

Ich selbst wollte früher immer Erzieherin werden und habe mich größtenteils aus finanziellen Gründen für andere Berufe im pädagogischen Bereich entschieden. Aber auch weil ich nie so schön basteln könnte wie die netten Kinder, die heute nicht zum ersten Mal für ihre Wünsche vor dem Rathaus protestiert haben und uns diese hübschen Papierblumen geschenkt haben. Und sollten sich die finanziellen Bedingungen verbessern, wird diese Berufsoption für mich umso attraktiver. Dann muss ich halt basteln lernen. Unser Antrag zur übertariflichen Bezahlung pädagogischer Fachkräfte knüpft an eben dieser Stelle an. Wir können uns gut vorstellen, dass das ein möglicher Ansatz sein könnte, den Beruf und auch den Arbeitsort Tübingen attraktiver zu gestalten. 10% mehr Bezahlung würden auf jeden Fall schon dazu führen, dass ich einen Quereinstieg in Betracht ziehen würde.

All die in den letzten Wochen gefundenen Lösungen und Anreize scheinen uns gelungen, eine längerfristige Lösung zu finden. Leider ist das Problem akut und wird nicht so schnell verschwinden. Wir sehen die Schwere der Situation und dass sowohl ein Ja als auch ein Nein in diesem Punkt zu keinem zufriedenstellenden Ende führt. Es ist verständlich, dass die Verkürzung zu mehr Verlässlichkeit führen kann, wenngleich das zwangsweise mit sich bringt, dass es weniger Betreuungszeit gibt. Besonders belastend ist das für die Frauen, an denen wieder die Mehrheit der Care Arbeit hängen bleibt und die somit beruflich benachteiligt werden. Insofern stehen wir hier an einer Weiche, die den zukünftigen Weg des unterbesetzten Zuges kaum ändert. Diese Weichenschaltung sehen wir in der Fraktion alle minimal anders, weswegen wir heute alle unterschiedlich abstimmen werden. Wir wünschen uns sehr, dass der künftige Weg des Zuges in schönere Landschaften führt und hoffen, dass all die Maßnahmen, die über die letzten Wochen hinweg gefunden und nun in Kraft gesetzt werden können, das anfeuern können. Der wohl größte Verdienst, der diesen Zug in Bewegung setzt gebührt wohl den Eltern, ohne die dieses Thema niemals so große Wellen geschlagen und so viel Aufmerksamkeit erreicht hätte. Dankeschön.